StudiVZ – der schleichende Untergang

StudiVZ – der schleichende Untergang

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Das soziale Netzwerk StudiVZ wurde Ende 2005 gegründet und war neben den Netzwerken für Schüler (SchülerVZ) und Berufstätige (MeinVZ), die später folgten, das erste rein deutschsprachige Netzwerk mit enormen Erfolg. Ebenso fanden sich zu der Blütezeit 2006 schnell Ableger in anderen Ländern der EU, z.B. Frankreich und Polen, die Anfangs 2009 aufgrund mangelnder Rentabilität allesamt eingestellt wurden.

Konzipiert war das Netzwerk ursprünglich für Studenten und ähnelte somit in seinen Anfängen dem Pendant Facebook. Das wesentlichste Unterscheidungsmerkmal zwischen Facebook und StudiVZ war das Layout – statt blau setze StudiVZ auf rot als Grundton.

Zunächst sah alles nach einer Erfolgsgeschichte eines IT Projekts aus

Vor drei Jahren wollte Facebook das Netzwerk noch aufkaufen, da man in Deutschland mit dem eigenen Netzwerk nicht wirklich Fuß fassen konnte. Jedoch lehnte die StudiVZ besitzende Verlagsgruppe (Georg von Holtzbrinck) das damalige Angebot ab.

Dass ist zum einen der damaligen Popularität des Netzwerks mit über 6 Millionen aktiven Mitgliedern zu schulden, zum anderen hatte Holtzbrinck die Plattformen zuvor von den Gründern für mehrere Millionen Euro gekauft. Im Prinzip liest sich der Werdegang bis dahin wie eine Erfolgsgeschichte – es ging rasant nach oben. Hauptsächlich wegen mangelndem Datenschutz und fortlaufend schlechter Presse sind jedoch nach und nach immer mehr Nutzer dazu übergegangen, sich bei anderen Netzwerken anzumelden.

Probleme mit dem Datenschutz

Der Fall zeigte insbesondere wie schwierig es ist Datenballungszentren vor Missbrauch zu schützen. Das gerade soziale Netzwerke dazu prädestiniert sind Ziel von Datendieben zu werden, scheint in Anbetracht der Menge an Nutzern und gespeicherten Informationen geradezu offensichtlich.

2007 wurden über eine Million StudiVZ Profile heruntergeladen. Des Weiteren wurde ein Programm  veröffentlicht, um frei zugängliche Daten der Profile zu speichern.

StudiVZ

Später wurden nach einem weiteren Angriff auf die Datenbank von StudiVZ, um weiterhin den Schutz der Profile zu gewährleisten, die Passwörter von allen Nutzern zurückgesetzt.

2009 wurden dann abermals über 1 Million Datensätze von VZ-Netzwerken, speziell von SchülerVZ, gestohlen. Ein Verdächtigter wurde in den Räumen von StudiVZ unter anderem wegen versuchter Erpressung verhaftet. Die erneute Datenaffäre hatte für ein enormes Medienecho gesorgt.

Defizite finden sich momentan vor allem bei gespeicherten Bildern in Fotoalben. Selbst bei jenen die nicht öffentlich sind, können, sofern die URL des Verzeichnisses bekannt ist, Dateien ausgelesen werden.

Deswegen sollte man sich als Mitglied eines sozialen Netzwerks wohl gründlich überlegen wo man persönliche Daten im Internet preisgibt. Gerade bei Kindern und Jugendlichen, denen das Problem häufig nicht bewusst ist, sollte man als Betreiber ein Höchstmaß an Sicherheit gewährleisten.

Zu viel Marketing

Das Facebook momentan ähnliche Probleme bezüglich des Datenschutzes hat scheint an dieser Stelle, in Anbetracht der Menge von Datensätzen, die von StudiVZ und zu guter Letzt von SchülerVZ gestohlen wurden, fast nebensächlich.

Facebook

In der Tageszeitung „Frankfurter Allgemeine“ sagte Christian Clawin, IT Experte für Social Media:“2010 hat Facebook die Zahl seiner aktiven Nutzer von sechs auf dreizehn Millionen verdoppelt. Gleichzeitig konnte man beobachten, wie die Mitgliederzahlen der VZ-Gruppe konstant schrumpften. Die Seite sah bis vor dem Relaunch aus wie Facebook im Jahr 2005. Es wurde zu wenig Mühe in Innovationen investiert, umso mehr in Marketing: Überall springt einem Banner-Werbung entgegen.“

Der Neuanfang

Mittlerweile ist das Unternehmen offen gegenüber einem Weiterverkauf; immerhin hat sich in der Zwischenzeit einiges getan. So hat man über 16 Millionen Mitglieder und der Datenschutz wurde angesichts der gemachten Fehler bei allen VZ-Netzwerken erheblich verbessert.

Jedoch mangelt es dem Netzwerk nicht nur an Popularität, sondern neuerdings vor allem auch an aktiven Mitgliedern, die das Netzwerk auch wirklich Täglich nutzen.

Datenschützer attestieren dem VZ-Netzwerk inzwischen Bestnoten. Die Mitglieder laufen dennoch in Scharen zu dem großen amerikanischen Konkurrenten Facebook über.

Gastautor: Leon, Marketing-Experte bei twago

 

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1 Comment

  1. Hi, also ich denke die Manager bereuen, dass Portal nicht an Facebook verkauft zu haben. Wie ärgerlich, aber Facebook lacht sich ins Fäustchen.

    Es gibt seit kurzem ein neues Design bei VZ, aber für mich kommt es nicht mehr in Frage, da Facebook technologisch mittlerweile meilen voraus ist.

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